2 & 4 fühlen

Jetzt möchten wir miteinander etwas anschauen, was wirklich absolut essenziell ist, wenn’s ums Jazz-Piano geht. Es geht um das Fühlen des Offbeats, hast du vermutlich auch schon gehört im Boogie-Woogie-Kurs, bloß im Boogie-Woogie-Kurs bin ich da schon ein bisschen drauf eingegangen. Jetzt werden wir ein bisschen tiefer eintauchen.

Ich habe festgestellt, vor allem klassische Pianisten, die eigentlich sehr virtuos schon spielen können, sich virtuos bewegen können auf der Tastatur, sobald es hier ums Offbeat Feeling geht, ums Swing Feeling, ui, da haben sie erheblich Mühe und es ist absolut wichtig, auch wenn du technisch jetzt schon fortgeschritten bist, dass du dies wirklich ganz langsam anschaust, übst und auch ganz viel Geduld mit dir hast. Okay, das war jetzt die Einleitung. Jetzt geht’s los. Du stellst das Metronom ein, du kannst das Tempo 50 oder 60 benutzen, ich habe jetzt hier das Tempo 50 und jetzt bevor du mit spielen beginnst, wirklich bevor du mit spielen beginnst, lässt du das einfach auf dich wirken das Metronom. Die meisten werden jetzt eins, zwei, drei vier oder eins, zwei, drei zählen – das ist üblich, das haben wir bis jetzt immer so gemacht. Also das Metronom ist die ebenso Zählzeit oder wenn wir jetzt ein höheres Tempo haben, haben wir die Eins und die Drei. So krieg ich eins, zwei, drei, vier, eins, zwei, drei, vier – und jetzt, im Jazz ist es ein bisschen anders.

Wenn du einmal einer Jazz-Combo zugehört hast, hast du auch zugeschaut, dann wirst du feststellen, der Schlagzeuger, der hat neben sich, meistens links von sich, hat er so zwei kleine Ecken und das ist die so genannte Hi-Hat. Wenn er sich eher im traditionelleren Jazz bewegt, dann wird die Hi-Hat immer eine spezielle Funktion wahrnehmen und zwar wird diese auf zwei und vier so zusammen kommen. Also es wird tz, tz, tz, tz – und das ist absolut entscheidend, dass das die Zwei und die Vier ist und nicht die Eins und die Drei. Und jetzt, wenn du die Sachen übst, die ich dir jetzt zeige, dann wird das Metronom nicht mehr die Eins und die Drei sein, sondern die Zwei und die Vier. Wenn ich das jetzt so höre, dann kann ich einfach probieren zu zählen, zwei, vier, zwei, vier – das ist vielleicht noch ein bisschen ungewohnt jetzt. Wenn du das gut kannst – zwei, vier, eins, zwei, drei, vier, eins, zwei, drei, vier, eins, zwei, drei, vier – und merkst, mein Zählen ist jetzt anders. Eins, zwei, drei, vier – und vielleicht fühlst du das nur schon ein bisschen, wenn du das so hörst und zählst – zwei, drei, vier, one, two, three, four – auf Englisch, hört sich besser an – vier, eins, zwei, drei, vier, eins, zwei drei, vier – okay, jetzt habe ich die Zwei und die Vier so mitgezählt, du kannst auch mitschnippen auf die Zwei und die Vier und dann probierst du zuerst, bevor du was anderes machst, nur das alles nach Viertelnoten zu spielen.

Ich werde nur diese Noten spielen. One, two, three, four [Musik] eins, zwei, drei, vier, eins, zwei, drei, vier, eins, zwei, drei, vier, eins, zwei, drei, vier, eins, zwei, drei, vier – wenn du das jetzt übst und du bist es noch nicht gewöhnt an dieses Swing Feeling, wird es sich vermutlich so anhören bei dir eins, zwei, drei, vier, eins, ehm, eins, zwei, drei, vier – du wirst vermutlich wieder zurückfallen auf die Eins und die Drei. Sobald du zurückfällst auf eins und drei machst du eine kleine Pause, du atmest kurz durch und lässt das nochmal auf dich wirken. Es ist wirklich wichtig, dass wenn du das Metronom so hörst, dass du sofort switchen kannst rein mental vom Gehör her auf zwei und vier. Eins, zwei, drei, vier, eins, zwei, drei, vier, eins, zwei, drei, vier, eins, zwei, drei, vier, eins, zwei – wenn du jetzt merkst, dass du abdriftest, dass dir sowas passiert, du kriegst Stress, hörst du einfach auf – eins, zwei, drei, vier, eins, zwei, drei, vier, eins, zwei, drei, vier, eins, zwei, drei, vier – natürlich kannst du auch eine andere Reihenfolge hier verwenden, so wie ich das jetzt gemacht habe.

Okay, also sobald du in den Stress kommst hier, es geht nicht um etwas Technisches, ich weiß es ist einfach, es geht wirklich um das Gefühl und das Gehör, dass das zusammenkommt und eben sobald du in den Stress kommst hier, einfach kurz aufhören, innehalten und dann wieder neu justieren. Ich wünsche dir ein bisschen Geduld dabei.