Klaviernoten sind nicht gleich Klaviernoten

Die meisten Erwachsenen, die Klavierspielen lernen möchten, suchen zuerst nach Klaviernoten. Da gibt es massig Bücher, die den „sicheren Weg zum Klavierspiel“ garantieren. Die meisten davon lehren ausschliesslich das Spiel nach Noten. Doch schon nach kurzer Zeit zeigt sich Frust.

Denn wie kreativ ist es denn, wenn wir schwarze Punkte auf einem Blatt Papier vor uns sehen und dann entsprechend die Finger nach unten bewegen? Für die meisten dauert dies viel zu lange, bis es sich nach richtiger Musik anhört. Klaviernoten haben natürlich ihre Berechtigung. Jedoch müssen diese gezielt ins Übungsprogramm eingebunden werden und dürfen nicht als die einzig glücklich machende Methode angesehen werden. Meine Tipps sollen dir dabei helfen.

1. Unterschiede zwischen Leadsheets und Klaviernoten

Klaviernoten im herkömmlichen Sinn beinhalten 2 Notensysteme, die jeweils gleichzeitig gelesen werden. Dies erfordert viel Übung über mehrere Jahre. Klassische Musik wird nur in diesen 2 Notensystemen notiert. Die obere Notenlinie beinhaltet Noten im Violinschlüssel, die untere im Bassschlüssel. Komponisten schreiben neben den Notenwerten auch Angaben zum Tempo, der Lautstärke und Spielweise auf.

Leadsheets hingegen werden in der Pop- und Jazz-Musik verwendet – sowohl für Klavier als auch für Keyboard. Jede Seite enthält nur das Wesentliche: das harmonische Gerüst sowie die Melodie des Stücks. Als Laie fragt man sich natürlich woher die ganzen Noten kommen, die da gespielt werden. Nun, der Ansatz, wie man Pop und Jazz spielt, ist ein komplett anderer. Das Lernen umfasst vor allem Gehör, Gefühl, Verstand und eine ausgefeilte Spieltechnik.

2. Spiele Popmusik nie nach Noten

Auch wenn die Industrie diese am laufenden Band produziert: Spiele Pop- oder Jazzsongs aus den Charts NIE nach Noten. Du wirst dich sonst mit der Zeit wie ein Roboter mit Betriebsstörungen anhören. Stell dir vor Alicia Keys, Stevie Wonder (o.k. schlechtes Beispiel, der hat noch nie Noten lesen können), Elton John, Billy Joel etc. würden ihre Stücke auf der Bühne nach Noten spielen. Wäre das Musik aus dem Moment heraus? Würde sich das natürlich anhören? Kümnstler wie diese werden die Stücke immer leicht variieren oder neue Teile einbauen. Es ist nicht so, dass diese Leute unglaublich talentiert sind, sondern einfach die Art, wie sie Klavierspielen gelernt haben, ist eine gänzlich andere.

Für die Pianisten unter euch, welche die Grundlagen schon beherrschen, kann ich meinen interaktiven PianoImprovisations Kurs empfehlen. Diesen kannst du hier kostenlos ausprobieren.

Du kannst dich kostenlos anmelden und bekommst von mir eine Probelektion zugesandt. Du kannst mir dafür hier einfach eine E-Mail schreiben. Im Kurs selbst stelle ich dir auch kostenlose Klaviernoten zur Verfügung. Das Online Feedback meiner Kunden, das du hier finden kannst, gibt dir einen Eindruck, was dich erwartet. Wenn du dich für diesen Kurs entscheidest, wirst du schon bald deine Lieblingssongs wie zum Beispiel „Aber bitte mit Sahne“ von Udo Jürgens auf dem Klavier begleiten können.

Neben umfangreichem Kursmaterial, bekommst du von mir persönlich auch online Hilfe. Ich beantworte dir gerne alle deine Fragen und gebe dir Tipps. Außerdem habe ich für meine Schüler verschiedene Kanäle eingerichtet, über die wir miteinander – und die Schüler untereinander – kommunizieren können.

3. Spare Geld, indem du Klaviernoten nur als einzelne Songs kaufst

Musikgeschäfte bieten Klaviere, Zubehör und auch viele Klaviernoten an. Meist sind diese jedoch recht teuer. Eine gute Alternative ist die Suche im Internet: Es gibt mittlerweile tolle Angebote, wo du nur einzelne Songs kaufen kannst. Dies ist viel günstiger. In den meisten Fällen kannst du dort PDF-Dateien finden und diese einfach ausdrucken. Dann bist du im Nu im Besitz des gewünschten Stückes. Lange Versandzeiten und Porto bezahlen war gestern.

Diese Plattform benutze ich auch selber, um einzelne Noten oder Leadsheets zu kaufen. Da findet du auch leichte Noten für Anfänger als Downloads. Klicke einfach auf das Banner.

4. Lerne Stücke nach Gehör nachzuspielen – dann brauchst du keine Noten mehr

Im Internet gibt es zahlreiche Websites, auf denen kostenlose Klaviernoten für Popsongs, Filmmusik, uvm. als gratis Download angeboten werden.

Wenn du aber Popsongs aus den Charts richtig gut und easy spielen möchtest, dann würde ich dir empfehlen, die Sachen nach Gehör zu lernen. Hierbei wirst du ein viel tieferes Verständnis für die Musik entwickeln. In der Regel wirst du feststellen, dass es sich immer wieder um ähnliche Akkordfolgen handelt.

Mit ein bisschen Übung wirst du in der Lage sein, ca. 80% eines jeden Popsongs nach Gehör nachzuspielen. Für die restlichen 20% gibt’s dann natürlich Noten oder Leadsheets. Solche Klavier Noten stelle ich dir auch in meinen Kursen als Downloads zur Verfügung. Je nach Kurs unterscheiden sie sich in der Schwierigkeit.

Wenn du sehr kreativ bist, kannst du natürlich auch deine eigenen Songs schreiben. Die Grundlagen dafür bekommst du in meinem Kurs PianoSongwriting.

Auf Facebook kannst du mir einen Kommentar schreiben, wenn dir ein bestimmter Kurs fehlt oder du gerne etwas Bestimmtes lernen möchtest. Ich freue mich immer über Feedback und Anregungen. :-)

5. Überfordere dich nicht

Wenn du ausschliesslich nach Noten spielen möchtest, dann ist es wichtig, dass du dich nicht überforderst. Du solltest das Geschriebene so rasch umsetzten können, dass das Resultat von Anfang an schon erkennbar ist, d.h. du machst schon etwas Musik mit den Noten.

Ich habe bei meinen Klavierschülern oft festgestellt, dass sie sich das Stück XY vornehmen und dann Finger für Finger, Taste für Taste, Note für Noten probieren, um aus dem Geschriebenen richtige Musik zu machen. Das führt zu viel Frust. Passe dein Notenlesen deinen Fähigkeiten an. Die Schwierigkeit ist, zu erkennen, dass die gewählten Klavier Noten zu schwer sind. Habe einfach etwas Geduld. Wenn du regelmäßig übst, dann wirst du schon bald auch komplexere Stücke spielen können.

Transkript zum Video “Klaviernoten sind nicht gleich Klaviernoten”

Hallo und herzlich willkommen zu diesem neuen Video. Mein Name ist Sven Haefliger, ich bin der Gründer von klavier-lernen.ch. Wenn du dieses Video zu Klaviernoten auf dem YouTube-Channel oder auf dem Podcast siehst, dann abonnier doch einfach diesen Channel und du kriegst immer wieder kostenlos ein paar Videos von mir zugesandt.

Klaviernoten – das ist ein riesen Thema. Ich stelle immer wieder fest: Die meisten Pianisten, vor allem die Anfänger unter euch, die denken von sich, sie müssen Klaviernoten lesen können, um wirklich Klavier spielen zu können. Dazu sage ich jetzt nicht kategorisch nein, aber es gibt einen riesen Irrtum in diesem Bereich und in diesem Video möchte ich dir das wirklich zeigen und erklären.

Klaviernoten für klassische Klavierstücke

Jetzt, sofern du klassisches Klavierspiel erlernen möchtest, das heisst, all die Werke von Bach, Beethoven, Mozart und all diesen grossen Komponisten, dann wirst du das Notenlesen wirklich lernen müssen. Denn die haben ihre Werke einfach in einem hohen Detailgrad ausnotiert, wie man das einfach spielen kann diese Kompositionen und das sieht dann in etwa so aus – ich möchte dir das einfach kurz näherbringen hier.

Wenn du diese Klaviernoten so siehst – da habe ich 2 verschiedene Notensysteme. Ich habe hier einen Violinschlüssel, einen Bassschlüssel. Es geht jetzt nur ein bisschen ums Prinzip, ich gehe jetzt nicht allzu fest ins Detail. Und diese Leute haben da einfach für die rechte Hand die Noten notiert und hier für die linke Hand. Das hier ist eher ein einfacheres Stück. Wenn ich da ein bisschen blättere in diesem Werk, dann sehe ich, oh, das sieht ganz wild aus und hier siehst du was ganz Spannendes: Da habe ich einen hohen Detailgrad. Das heisst, die Komponisten waren interessiert, dass die Nachwelt ihre Kompositionen so spielen werden, wie sie es gedacht haben oder vermutlich damals auch gespielt haben. Wir haben ja leider keine Aufnahmen von ihnen.

Was alles notiert wird

Wenn du das hier so siehst, dann hast du hier so kleine Noten, da hat’s Betonungen, da hat’s gewisse Sachen drin wie man diese Note spielt, das Pedal wird hier notiert. Das heisst, wir haben hier einen hohen Detailgrad bei dieser Art von klassischer Notation, so dass wir wirklich ganz genau wissen, wie der Komponist sich das gedacht hat und wir möchten möglichst dem nahekommen, wie der Komponist sich das gedacht hat. Ich möchte dir jetzt ein kleines Beispiel spielen von einem einfachen Stück und dann siehst du in etwas wie das funktioniert. Also ich habe jetzt einfach das Stück so vor mir. Mit den Augen sehe ich da die Noten vor mir. Ich weiss jetzt wo die Tasten sind, klar, das muss man natürlich lernen, das ist klar. Und dann wird sich das in etwa so anhören.

Und so weiter und so fort. Das ist sehr schöne Musik. Ist auch ein bisschen eine einfache Musik wenn es um die Rhythmik geht, also das heisst, die linke Hand und die rechte Hand die fallen meistens zusammen und das ist ein bisschen einfacher zu spielen, wenn ich jetzt so mit einfacheren Sachen beginnen würde das zu spielen. Natürlich wird es später komplexer, das ist klar.

Unterschied Klaviernoten für klassische und moderne Stücke

Jetzt kommt der grosse, grosse Irrtum. Leute, die jetzt klassische Notation gelernt haben oder ein Stück, ein modernes Stück ausschließlich nach Noten oder übers Auge lernen möchten. Das heisst jetzt, ich kann entweder ein Notenblatt vor mir haben oder irgendeine App. Irgendwas, wo ich einfach die genauen Detailinformationen übers Auge wahrnehme – das dann im modernen Klavierspiel anwende, dann werde ich mich in etwa so anhören. Also ich geb dir jetzt ein Beispiel, das nicht wahnsinnig cool klingt, aber es ist wirklich so. Ich habe schon zig Schüler bei mir gesehen oder Leute, die mir Aufnahmen geschickt haben, die sowas gespielt haben in dieser Art. Mal schauen ob ich das jetzt hinkriege.

Der Unterschied zwischen richtig und wirklich gut. Ja genau, das war eigentlich gar nicht schlecht. Also, das heisst jetzt: Ich habe die Töne, die Melodie, habe ich gespielt so wie sie dasteht, die Akkorde auch – das heisst, Harmonik und Melodik waren korrekt und trotzdem hast du jetzt gemerkt, wenn du das Stück im Gehör hast, das war jetzt nicht wirklich „Let it be“. Das war jetzt nicht so, dass du sagst: Oh, das berührt mich, oh ist das cool, ist das entspannend, sondern es war einfach richtig – in diesem Sinne. Und zwischen richtig und wirklich gut gibt’s einen grossen Unterschied. Ich würde sagen es ist ein feiner Unterschied, aber die Wirkung, die ist gross.

Moderne Musiker verwenden Leadsheets

Jetzt kannst du dir vorstellen, all die modernen Musiker, die modernen Pianisten aus Pop, Jazz, Country, Folk, egal welche Stilrichtung, einfach modern. Diese Leute haben nie wirklich Notenmaterial auf der Bühne, das exakt ausnotiert ist. Anstelle detaillierter Klaviernoten verwenden sie häufig sogenannte Leadsheets. Das sieht dann etwa so aus. Da habe ich jetzt nur noch eine einstimmige Melodie hier und oben habe ich einfach die Harmonien. Hm, das sind dann einfach Buchstaben. Da denkst du: Ja, da ist jetzt gar nicht viel Musik vorhanden. Ein moderner Musiker weiss was er damit machen kann.

Und das erfordert einfach einen anderen Prozess des Lernens, der geht viel übers Gehör, übers Gefühl, über das Rhythmusgefühl, über das Körpergefühl und über Spieltechnik. ich möchte dir jetzt ein kurzes Beispiel geben wie ich das Stück jetzt spielen kann, wenn ich jetzt das nicht ausschliesslich nach Noten gelernt habe.

Genau, jetzt hast du vermutlich einen grossen Unterschied gehört. Die Töne waren zwar ziemlich dieselben aber das ganze Gefühl, die Wirkung was ich jetzt gespielt habe war eine komplett andere. Und das ist einfach ein anderer Weg, Musik zu lernen. Das bedeutet nun also wenn du jetzt klassisch spielen lernen möchtest, dann würde ich dir empfehlen Klaviernoten lesen zu lernen. Mit einem guten Buch oder einem guten Klavierlehrer kannst du das Schritt für Schritt erlernen. Wenn du aber modernes Klavierspiel erlernen möchtest, dann gibt es da ganz andere Gesetze. In meinem PianoStarter-Kurs erkläre ich das alles ausführlicher. Dieser hat über 100 Videos, in denen ich dir alles wirklich ganz detailliert erkläre. Ich zeige dir, wie modernes Klavierspiel auch ohne Klaviernoten funktioniert.

Beschränke dich beim Üben auf 2 Töne

Hier in diesem Video möchte ich dir einfach einen kleinen Tipp mitgeben: Wenn du jetzt so ein Stück vor dir hast und du kannst es eigentlich schon spielen, dann würde ich dir empfehlen, dass du dich nochmals auf nur 2 Töne beschränkst. Jetzt sagst du: Uh, 2 Töne, ich möchte aber Klavier spielen, das ist nicht wirklich cool. Die Magie beim Musikmachen, die liegt immer im Unsichtbaren und nicht in dem, was man aufschreiben kann und notieren kann und dann lesen kann übers Auge. Es ist immer das Unsichtbare.

Und jetzt wenn du – die Klaviernoten lege ich bewusst nochmals weg – wenn du jetzt zum Beispiel nur die Bassnote spielst, die Harmonien und dann nur die Melodie mit der rechten Hand, dann wirst du beginnen, da tiefer hineinzugehen. Das ist sozusagen die DNA der Musik. Das mache ich immer mit allen Schülern, die eigentlich schon spielen können. Denen sage ich: Okay, jetzt spielst du nur die Bassnote des Stücks und die Melodie und dann werden sie ja zum Teil auch ein bisschen frustriert sein, weil sie merken, da ist einfach gar nicht viel Musik in ihnen drin, sondern da geht’s wirklich ans Eingemachte.

Du kannst Stücke auf verschiedenste Weisen spielen

Ich gebe dir ein Beispiel. Wenn ich dasselbe Stück jetzt spielen würde, wenn ich es jetzt nochmals ganz einfach spielen würde, dann könnte sich das so anhören Die Gesetze der Popmusik. Genau. Jetzt aber die Gesetze der Popmusik, die sind anders. Ich achte darauf, dass ich hier in der linken Hand Stabilität erzeuge. Das ist immer Harmonik und Rhythmik zusammen und in der rechten Hand werde ich eigentlich Instabilität erzeugen, das heisst, ich werde die Melodie so spielen, wie ein Sänger sie singen würde.

Wenn du einem guten Sänger zuhörst, ich meine einem guten Sänger, dann wird der die Melodie vermutlich immer leicht verändern. Also die wirklich coolen Sänger, die Soul- oder Jazzsänger, die werden die Melodie nie einfach 1 zu 1 immer genau gleich singen. Sie werden immer richtig viel Gefühl hineingeben, sie werden mit dem Text zu spielen beginnen, sie werden eine richtige Geschichte erzählen damit. Und das können wir auf dem Klavier natürlich auch nachahmen. wenn ich jetzt eine Melodie spiele, wo ich einfach den Sänger – bei diesem Stück den Paul McCartney – einfach im Ohr habe, dann könnte ich das in etwa so spielen. Also ich habe jetzt den Text auch im Hinterkopf und dann wird sich das so anhören.

Ein kleines Beispiel

Genau. Ich habe jetzt die Bassnote nicht mehr gewusst, ich war ein bisschen unkonzentriert. Ich mach’s nochmal.

Genau. Jetzt hast du schon gemerkt, das ist eine ganz andere Liga, ein ganz anderer Ausdruck darunter. Und das soll dich ermutigen, dass du das auch ausprobierst. Also vor allem bei den Stücken, die du eigentlich schon beherrschst, dass du vielleicht mal nur die linke Hand so spielst, die rechte Hand und alles, was da dazwischen noch kommt, dass du das einfach nochmal loslässt und dass du probierst die Originalaufnahme zuerst nochmals zu hören und diese wirklich zu memorisieren, dass du das in deinem inneren Ohr hörst.

Wenn du die Sachen so spielst wie im Original, dann kommst du dem Original nahe und das ist das, was die Leute auch berührt, denn das Original ist das Original. Später kannst du natürlich immer noch eine eigene Aufnahme daraus machen, eine eigene Version draus machen. Okay, ich hoffe, das war hilfreich für dich und viel Spass beim Üben.

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