Schluss mit beurteilen

 

Transkript zum Video:

Bevor wir nun loslegen in diesem Kurs, Relaxing Piano, möchte ich dir etwas mitteilen, oder etwas sagen, das von absolut immenser Bedeutung ist. Wenn ich den Erwachsenen zuschaue, wie sie ein Instrument lernen – ich unterrichte auch noch Gitarre, Gitarre und Klavier – dann stelle ich immer wieder fest, dass die meisten Erwachsenen eine konkrete Vorstellung haben, wie es zu klingen hat. Das bedeutet, sie haben irgendwie einen Song, einen Star oder ein Notenblatt und das möchten sie unbedingt erreichen.

Das ist im Grunde genommen gut, das ist ja auch völlig in Ordnung wenn wir auch Ziele verfolgen und diese auch Schritt für Schritt erarbeiten, das ist eine Sache. Jetzt, der zweite Teil hier ist jedoch, wenn ich ein Ziel habe und nicht so viel Zeit, weil die meisten Erwachsenen sind berufstätig und wollen eigentlich Klavierspielen als Entspannung anschauen und das eher so als Hobby betreiben. Jetzt, wenn ich hier auf dieser Seite das Ziel hab, ich möchte das Stück XY spielen, hier meine begrenzte Zeit, die ich investieren kann rein aus beruflichen Gründen oder wie auch immer, dann beißt sich das hier nur ein bisschen. Das matched nicht wirklich. Und so stelle ich immer wieder fest, dass Erwachsene hehre Ziele haben, diese verfolgen möchten und nach ner Weile, vielleicht auch nach ein paar Monaten, stellt sich immer der Frust ein, weil sie merken, um das Ziel zu erreichen, muss ich wirklich extrem viel Zeit investieren.

Und dann beginnt das Werten, dann beginnt man irgendwie etwas zu spielen und dann merkt man sofort: okay, das entspricht nicht dem Ideal, das ist eine falsche Note, eine falsche Note auf dem Notenblatt oder eine falsche Note, weil’s der Lehrer mir sagt und dann geht’s los. Dann beginne ich das Klavierspiel, meine Übungssession zu werten, zu bewerten, zu beurteilen in richtig und falsch und sobald ich in diesem Mindeset, in dieser Besinnung, in dem ich fast ein bisschen gefangen bin mit richtig und falsch, dann hab‘ ich ein bisschen ein Problem, wenn ich das Klavierspiel als Entspannung anschauen möchte. Ich hoffe, das ist dir klar dieser Mechanismus, was dann passiert. Vermutlich hast du das selber auch schon erlebt. Und ich stelle halt immer wieder fest bei den Erwachsenen, ja das löst ein bisschen Stress aus und dann auch Frust und wer möchte das schon. Wir möchten schließlich Klavier spielen zum Spaß, zur Freude und zur Entspannung.

Jetzt möchte ich dir etwas zeigen, das du zu Hause einfach mal üben kannst. In diesem Sinn, ist ein bisschen ein anderes Üben, als du vielleicht kennst aus anderen Kursen hier jetzt, dass du einfach ans Klavier gehst und irgendwelche Tasten drückst. Das kann sowas sein: [Musik] hm, ich hab jetzt einfach, mit der Hand bin ich nach unten gegangen. Wenn ich das jetzt beginne zu werten, in diesem Moment, wenn ich sage: Okay, das hört sich falsch an, nicht richtig. Ja, dann nützt mir das irgendwie nicht viel. Wenn ich jedoch von einer Gesinnung herangehen kann und das so drücken kann, das auf mich wirken lassen kann und sagen kann: Hm, da ist Spannung drin, hört sich nach Spannung an, dann ist das einfach Spannung. Aber es ist nicht richtig und falsch.

Und stell dir vor du kannst ans Klavier gehen und irgendwelche Tasten drücken [Musik] – das war jetzt völliges Zufallsprinzip, ich hab irgendwas gedrückt, [Musik], nochmals irgendwas und du merkst jetzt: Okay, ah, hab ich einfach wieder vier Tasten gedrückt, völlig, völlig ohne Konzept und wenn du jetzt das schaffst, das nicht zu werten, sondern dass das einfach auf dich wirken lässt, dann wirst du feststellen, dass sich auch eine Entspannung bei dir breit macht. Das ist vermutlich jetzt ein bisschen unüblich, ich habe solche Sachen noch nie erzählt hier in einem Kurs, aber ich denke, das ist wirklich der Weg, wo du in die Entspannung hineinkommst.

Also du kannst einfach nur die Hand mal drauflegen [Musik] – hm, okay, Spannung, uh, auch Spannung, ich hab nur die ganze Hand einfach auf die Tasten gelegt. Oder du kannst beginnen, probieren vielleicht vier Tasten, drei Tasten, wie auch immer zu drücken [Musik] – wow, hört sich interessant an – [Musik] oder sowas, hm,[Musik] ah, okay, hm, da ist sehr viel Spannung drin.

Okay, probier’s einfach mal aus. Wenn du es ein paar Mal gemacht hast, wirst du merken: Okay, es gibt keine falschen Noten in diesem Moment. Und das ist das Wichtigste hier in diesem Kurs. Ich möchte nicht irgendetwas beurteilen bei Relaxing Piano, was jetzt richtig und falsch ist, sondern es geht wirklich ums kreative Ausprobieren und die Freude und einfach die Entspannung beizubehalten. Okay, also, viel Spaß.