Songwriting am Klavier – Stimmung eines Songs ausloten

 

Transkript zum Video:

Nun möchten wir miteinander etwas völlig anderes anschauen. Bis anhin haben wir die Sachen relativ strukturiert angeschaut, ich habe dir ja immer wieder theoretische Sachen erklärt mit Stufen, mit Kirchentonarten, Modes, was es auf sich hat im Kreis Harmonik und jetzt wollen wir das Ganze einfach komplett vergessen. Vielfach ist es so, wenn talentierte Songwriter ans Werk gehen, dann probieren sie auch das alles wirklich abzuschalten und sich wirklich nur auf die rechte Gehirnhälfte zu konzentrieren.

Das heißt, sie lassen ihren Gefühlen, ihren Emotionen, ihren Vorstellungen, ihren Bildern freien Lauf. Und das kann jetzt folgendermaßen vorgehen. Ich gehe jetzt nicht hin und sage: Okay, ich drücke einen Ebmaj7, das wäre jetzt schon wieder verstandesmäßig. Ich kann jetzt zum Beispiel so etwas machen, oder du kannst das ausprobieren, ich gebe dir jetzt einfach ein paar Beispiele, einfach ein paar Gedankenanstöße, es ist nicht notwendig, dass du das genau gleich reproduzierst, sondern dass du wirklich ins Ausprobieren kommst. Werde kreativ, das ist immer das ultimative Ziel beim Songwriting.

Okay, jetzt, wenn ich das hier so auf einmal habe, jetzt habe ich zum Beispiel nur c und e hier, relativ easy, kennen wir. Und jetzt gehe ich einfach hin und spiele verschiedene Bassnoten dazu und schaue einfach mal, was passiert – easy, hm? [Musik] Hmm, hmmm, oh, war jetzt ein bisschen falsch. Also falsch, ja, hat’s viel Spannung drin, aber das hier war ganz nett, oh, da hat’s ne Wendung drin, ah, du siehst, das ist ja ganz spannend, was ich hier jetzt grad gespielt habe. Das ist ein so genanntes „Lineclichée“. Das war jetzt nicht vorbereitet. Also ich habe jetzt einfach die Töne c und e, dann g, ab und dann a, ab und g. [Musik] Oh, du hast jetzt gemerkt, das war jetzt ganz spannend. Ich hab im Grunde genommen alle – den könnte ich auch noch benutzen – ja, ich hab fast alle Töne hier gespielt als Basstöne [Musik] und es hat sich irgendwie immer spannend angehört.

Und du hast gemerkt, wenn ich jetzt sowas jetzt habe [Musik] das kommt dir irgendwie auch bekannt vor. Jetzt gehe ich in die andere Richtung, wow, das wär jetzt aber nice. Ich bin selber erstaunt, muss ich ganz ehrlich sagen. Also, du hast gesehen, ich habe nur diese zwei Tasten gedrückt und da einfach ein bisschen ausprobiert und dann hab ich wieder so Vierer-Blöcke gemacht, Vierer-Pakete, kennen wir bereits vom PianoStarter, das hört sich immer gut an, dann ist die Struktur irgendwie doch noch gegeben, dass ich nicht nur einfach einzelne Klänge habe, sondern wenn ich immer so Vierer-Sachen, ja, das hört sich jetzt gut an – jetzt habe ich eins, zwei, drei, vier, eins, zwei, drei, vier, da, da, di, da, da, da, da – das waren jetzt vier Takte. Oder ich könnt’s auch halbtaktig anschauen natürlich. Wow, du hast gemerkt, das war jetzt ein lustiges Beispiel und ich hab nicht überlegt, ich habe nicht überlegt, was für Akkorde es sind. Ich könnte das zwar von meinem Verstand her und von der Harmonielehre her, aber ich lasse es einfach weg.

Okay, anderes Beispiel. Ich werde hier, sagen wir einmal, so eine Quarte drücken – d, hier hab ich d und g – die Töne d und g und jetzt werde ich wiederum Basstöne suchen, [Musik] hm, okay, oh, ziemlich spannungsreich, fahl, hm, ja, wäre wieder das Ähnliche von vorhin, das ich gemacht habe, probieren wir mal was ganz anderes [Musik] ah, das hört sich spannend an – oh, das war jetzt nice, oder? – [Musik]Oh, das war jetzt auch wieder nice. ich habe nur hier den g gelassen, dann c, dann d und dann es gedrückt hier unten, würde sich auch gut anhören. Ich habe nicht überlegt, welche Akkorde das da drin waren. Ich kann natürlich, ich habe vorhin einfach einen Terzabstand gehabt, jetzt habe ich einen Quartabstand gehabt, natürlich könnte ich auch Quinten haben, klar, ich könnte aber auch hier variieren, also wenn ich jetzt hier sowas habe, jetzt habe ich hier die Quarte als Abstand, dann könnte ich hier auf die Quinte gehen und unten auch die Basstöne wieder variieren, auch völlig offen, nicht strukturiert. [Musik] Oh – ja, das hört sich auch nice an. Hast du gemerkt, ich hab zuerst hier die Quarte so gelassen, dann bin ich auf die Quinte, also c und g, dann wieder die Quarte, dann hatte ich hier wieder die Quinte. Also ich habe jetzt nur von der rechten Hand gesprochen.

Ich hab einfach hier rumgespielt mit den Basstönen, ja, da kommen völlig neue Klänge hervor, zum Teil sind es verstandesmäßig, einen kleinen Ausflug in den Verstand, das wäre jetzt nen sus-Akkord habe ich gehört, Vorhalte, es waren Slash-Chords dabei, da wäre jetzt die Verstandesebene, aber es ist völlig egal im Moment. Also du hast gemerkt, wenn ich mich so einlassen kann einfach aufs Ausprobieren – [Musik] oh, ja, dann entstehen spannende Sachen. Genau, also du kannst das natürlich das Video nochmals anhalten, das Ganze nachspielen, aber ich möchte dir auch empfehlen, dass du wirklich frei ausprobierst, denn deine Ideen, das sind wirklich deine Ideen, das ist deine Kreativität und letzten Endes auch dein Song, den du hier schreibst.